Der Pups der Weisheit

„Studentenfurz“ oder „Studentenblume“ wird sie genannt, die Tagetes. Den deftigen Beinamen hat die Pflanze erhalten, weil die Blätter der Urform stark und nicht gerade angenehm duften. So sehen übrigens die Blüten der aus Mexiko stammenden, hoch wachsenden Urform/Wildform aus:

Die Samen dafür haben wir 2010 entweder von der LaGa Aschersleben oder aus dem Schlossgarten Mosigkau mitgebracht und erst in diesem Jahr ausgesät. Ich nahm eigentlich an, dass es sich bei den Streiflingen um eine moderne Züchtung handeln würde, denn früher kannte ich nur die gefüllten Tagetes:

Die meisten Sorten wachsen heute recht niedrig und werden nur etwa 30 cm hoch. Die Urform wächst bei uns im Garten schon bis auf 50 cm. Es gibt wohl auch Sorten, die bis zwei Meter hoch werden – man könnte aus denen sogar eine Hecke pflanzen und den Nachbarn bestinkern!

Den lateinischen Namen hat die Pflanze vom etruskischen Halbgott Tages, dem Gott der Weisheit, der einer Ackerfurche entstieg. Die recht anspruchslose Pflanze würde wohl auch in jeder Ackerfurche wachsen. In unserem Garten kommt sie mit Sonnen- und Schattenplätzen gut zurecht, freut sich über das Gießwasser, lebt aber auch ohne. Nur Staunässe mag sie nicht – aber welche Pflanze mag das schon?!

Kennengelernt habe ich die Studentenblumen auf der „Gabel“ (ein kleines Stückchen Land) von Opa Z., wo sie als kleine Hecke wuchs. Eine besondere Vorliebe habe ich für diese Blumen nie entwickelt – ihre Blüten- und Blätterformen fand ich nie sonderlich ansprechend. Dass die Blume auch „türkische Nelke“ genannt wird und ich früher ja auch meine Nelkenabneigung pflegte, passt dann irgendwie auch zusammen.

Mein Gatte, der manchmal auch pragmatisch ist, meinte jedoch, dass die Pflanze leicht selbst zu ziehen sei und in recht kurzer Zeit den Garten füllt und ziert (und mit dem strengen Geruch auch viele Schädlinge vertreibt!). Womit der gute Mann nicht unrecht hat. Also folgte ich ihm, säte Samen. Und ließ mich ob des Ergebnisses überraschen. Denn natürlich hatte ich auf meinen 2010er Samen-Sammel-Touren keine Fotos der Blüten gemacht und wusste deshalb ü-ber-haupt nicht, was da rauskommen würde. Diese blühenden Überraschungen sind richtig schön!

Der NABU beschreibt gut, wie man die Tagetes vermehrt:

Vermehrung mit selbstgewonnenem Saatgut

 Wer Studentenblumen selbst vermehren möchten, kann einfach im Herbst die reifen Samen ernten. Zu beachten ist, dass die stabförmigen Samen in absolut trockenem Zustand geerntet und dann frostfrei aufbewahrt werden müssen. Die Aussaat erfolgt ab Januar im Treibhaus oder im Freiland Ende April, besser noch erst nach den Eisheiligen Mitte Mai; die Keimtemperatur liegt bei 15 bis 18 Grad Celsius. Tagetes mögen es in der Regel sonnig, vertragen aber auch Halbschatten. Die Blütezeit reicht je nach Sorte von Mai bis in den Oktober hinein. Verwelkte Blüten sollten regelmäßig entfernt werden, denn das fördert die Nachblüte.

Forscher haben übrigens in jüngerer Zeit nachgewiesen, dass die Tagetes gegen eine bestimmte Augenkrankheit hilft. Also ist sie auch eine Heilpflanze…

Drei, zwei, eins – Deins!

Dieser Post ist ein Geschenk. An Euch alle und an Arthurs Tochter ganz besonders. Es feiert nämlich nicht nur ihr cooler Blog http://arthurstochterkocht.blogspot.de/ Geburtstag, sondern auch sie selbst, und dann haben sie und ihr Gatte auch noch dritten Hochzeitstag!

Das sind ja drei Dinge auf einmal? Jaaaa! Und deshalb gibt’s virtuelle Geschenke. Von mir nur ein kleines Rezept, aber hoffentlich freut sie sich trotzdem:

Zitronenmelisse wächst in wirklich jedem Garten, meist mehr, als man davon haben möchte. Dabei ist sie für allerlei Gerichte gut zu gebrauchen. Im Sommer mache ich gern damit Zitronenmelisse-Pesto.

Dazu nimmst Du eine gute Handvoll von gewaschenen Melisseblättern und gibst sie mit Öl (kann Oliven- oder Rapsöl sein), gerösteten Pinien- oder Sonnenblumenkernen und einer halben Knoblauchzehe sowie Meersalz in einen Küchenzerkleinerer. Du kannst auch den Pürierstab nehmen. Wenn alles gut kleingehäckselt ist, gibst Du noch etwas frisch gemahlenen (logisch) Pfeffer hinzu und schmeckst mit frischem Zitronensaft ab. Gerne kannst Du auch etwas Zitronenabrieb zugeben. Und nun fehlt noch der Käse. Es sollte ein Hartkäse sein, der nicht zu kräftig schmeckt. Heute hatte ich schon mal den spanischen S’arangi erwähnt, der wäre ganz gut geeignet. Er wird fein gerieben und zu den anderen Zutaten gegeben. Umrühren und schon ist das Pesto fertig. Es passt hervorragend zu geröstetem Schwarzbrot und gegrilltem Fisch.

Entschuldigt, dass ich keine genauen Mengenangaben machen kann. Ich bereite das Pesto immer aus dem Handgelenk zu. Ihr merkt schon, wenn noch etwas fehlt.

Und über die Zitronenmelisse als Heilkraut erfahrt Ihr viel Wissenswertes hier.

Spaghetti, die heilen

Das schnellste Essen der Welt ist Pasta mit Salbei-Butter. Schon Alfred der Große (nämlich Biolek), der Vater aller Kochsendungen (und das als Nicht-Gelernter), hatte dieses Gericht stets kräftig beworben. Der Ruf von Salbei als Hustenmedizin und der schreckliche Geschmack mancher Hustenbonbons haben mich viele Jahre davon abgehalten, es mal auszuprobieren.

Irgendwann war der Hunger mal wieder groß, Zeit und die Verfügbarkeit von im Haus befindlichen Zutaten knapp, und ich machte mich einfach ans Werk. Ließ Butter mit einem Klecks Rapsöl in der Pfanne zerlaufen und gab eine Handvoll saubere Salbeiblätter hinein. Als diese ihre Farbe veränderten, gab ich die gekochten Spaghetti sowie gemahlenen Pfeffer hinein. Hab das einfach geschwenkt und fertig war das Essen. Und es war lecker! Inzwischen werfe ich am Anfang noch zwei Knobi-Zehen in die Pfanne (nicht zerdrücken!), gebe mit der Pasta zwei, drei Löffel des Kochwassers in die Pfanne und auch eine gute Handvoll geriebenen Hartkäse. Je nach Geschmack kann das ein Gruyere sein oder ein Parmesan. Gestern habe ich einen Käse aus Menorca, S’arangi, gewählt. Sehr lecker.

Salbei, lat. Salvia officinalis, ist ein wirkliches Heilkraut. Auf der lesenswerten Website heilkraeuter.de steht ausführlich beschrieben, wofür und wogegen man ihn anwenden kann. Unsere Freundin Kerstin Doelle, eine Opernsängerin, schwört auf das Trinken von Salbeitee, um die Stimme geschmeidig zu halten.

Den Salbei oben hat uns Opa Z. geschenkt. Er (der Salbei, nicht der Opa) hat in diesem Jahr wieder geblüht (siehe unten). Blühende Kräuter soll man ja eigentlich nicht mehr verwenden, denn ihnen fehlt die Kraft, die die Pflanze fast gänzlich in die Blüten steckt. Die Blätter an den blühenden Zweigen sehen dann auch kleiner und fleckig aus – im Gegensatz zu denen ohne die schönen violetten Blüten.

Und das ist ein Supermarkt-Salbei, den ich im frühen Frühjahr für das Fensterbrett gekauft und dann in den Garten gepflanzt habe. Er hat sich nach einiger Zeit des Mickerns gut gemacht, nur geblüht hat er noch nicht. Die Blätter sind etwas heller als die vom Opa-Z.-Salbei.

Und Shakespeare dichtete für sein Wintermärchen:

Lavendel, Minze, Salbei, Majoran,
die Ringelblum‘, die mit der Sonn‘ entschläft
und weinend mit ihr aufsteht: Das sind Blumen
aus Sommers Mitte, die man geben muß
den Männern mittlern Alters.

Die Nelke kann ja nichts dafür

Die ersten zwölf Jahre meines Lebens habe ich in der DDR verbracht. Diese Zeit erscheint mir mittlerweile ganz weit weg und ich habe nur noch sehr wenige Erinnerungen daran. Eine regelrechte Abneigung habe ich aber gegen eine Blume entwickelt, die in der DDR gang und gäbe war – die Nelke. Zu jedem Anlass im sozialistischen Jahreskalender wurden rote Nelken gereicht und irgendwann fand ich sie nur noch langweilig und ihre gezackten Blüten wirkten auf mich eher abschreckend.

Bei Wikipedia ist ein recht interessanter Artikel über Nelkengewächse zu lesen und darin wird beschrieben, dass rote Nelken schon 1890 von den Anhängern der Arbeiterbewegung getragen wurden und im vorhergehenden Jahrhundert die französischen Adligen mit roten Nelken zu ihren Hinrichtungen geschritten sind. Und im Mittelalter symbolisierte diese Pflanze Liebe, Verlobung und Ehe – also nur sehr schöne Dinge im Leben.

In Barockgärten war die Nelke, lat. Dianthus, häufig vertreten und so soll sie auch in unserem Garten einen Platz finden. Den Anfang machte eine Nelke mit kräftig-rosafarbenen Blüten, die der Gatte in einen barock aussehenden Kübel pflanzte. Heute waren wir dann in Erfurt und haben der ältesten Kakteenzucht der Welt, Haage, einen Besuch abgestattet. Im benachbarten Gartenmarkt standen unter dem sehr makabren Schild „Meine Zeit ist vorbei, nimm mich mit!“ diverse Pflanzen und auch Nelken mit blassrosa Blüten zu 20 Cent das Stück. Ich hätte sie auch für mehr mitgenommen. Ist schon eigenartig, welche Blüten diese Wegwerfgesellschaft so treibt…

Buchsen für den Griechen

Was ist eigentlich der Plural von Buchs. Buchse? Buchsen? Neiiiiiin, das würde ja heißen, dass wir heute 100 Schlüpfer in unseren Garten gepflanzt haben.

Der Gatte überraschte mich nach meiner Heimkehr (18:30 Uhr, nach zehn Stunden Arbeit) mit den Worten: „Guck ins Bad und zieh Dich um!“ Im Bad lag leider kein Kleidungsstück, das einen romantischen Abend versprochen hätte. Dort lag ein Plastebeutel, in dem sich wiederum ein feuchter Stoffbeutel mit gefühlt tausend kleinen Buchsabschnitten befand. Grün, unschuldig, dicht gedrängt warteten sie auf ihre Verarbeitung. Sollte diese heute nicht erfolgen, so Ines, die edle und ganz nette Spenderin (4000-qm-Garten, Sissinghurst-Fan), würden sie vertrocknen.

Also – frisch ans Werk, die unteren Blätter abgestreift (hat der Gatte getan), an diesem Ende mit einem scharfen Messer den Stil angespitzt (ich), Erde umgegraben (Gatte), teilweise den Rasen abgestochen (wir), Dünger ausgegeben und Löcher gestochen (Gatte), Buchsis gesetzt (wir). Teamwork at it’s best.

 

Die hungrige Ehefrau (also ich) plädierte zwischendrin 21:00 Uhr für einen Anruf beim Lieblinsgriechen, um dort Essen zu bestellen. „In 20 Minuten könnt Ihr es holen!“ 20 Minuten für die 50 letzten Buchsis??? Jaaaa, 20 Minuten für 50 Buchsis. Wir haben es geschafft, waren fünf vor halb beim Griechen und zehn nach halb am Gartentisch, von dem aus wir mümmelnd und süffelnd unsere Buchsis angeschaut haben.

Alle Arbeit war vergessen…

Alles in Butter

Schnell gemacht: Kapuzinerkresse-Butter.

Eine Handvoll Kapuzinerkresseblüten und -blätter, etwa vier bis fünf Stängel Schnittknoblauch und etwas Meersalz in ein weiches Stück Butter einarbeiten.

Sieht superschön aus, schmeckt fantastisch, kann man ein paar Tage aufheben und auch einfrieren.

Zum Beeindrucken vom Gatten, von Freunden und Gästen auf kleinen Brotscheiben servieren. Hmmm…

Schrebergarten – gleiche Erde, andere Welt?

Im ersten Post klang sie an – meine Skepsis gegenüber Schrebergärten und deren Besitzern und Pächtern. Schrullig und streng habe ich die Schrebergärtner immer eingeschätzt. Und schaut mal hier: die legendäre Puschel-TV-Sendung über eine Kleingartenanlage. Die gibt mir ja irgendwie recht.

Bei der Bewerbung um die LaGa 2015 habe ich dann ein paar Männer aus dieser „Szene“ kennengelernt, wie den Geschäftsführer des Kreiskleingartenverbandes und den Vorsitzenden des Landesverbandes. Mit dem herzlichen Bernd W. vom Kreisverband duze ich mich inzwischen. Und das ist gut so. Er erklärt mir viele Hintergründe, z. B. über die Fachberater, die sich ehrenamtlich ausbilden lassen und in den Sparten ihr Wissen weitergeben.

Bei uns gibt es Tausende von Schrebergärten. Sie wurden für Menschen angelegt, die in Neubaublöcke ziehen mussten, weil ihre Heimatdörfer für die Braunkohle abgebaggert wurden. Ein Dorf – eine Platte – ein Gang in der Sparte, das war nicht selten so.

Die Hochnäsigkeit gegenüber den Schrebergärtnern habe ich inzwischen abgelegt und fühle mit ihnen, wenn das örtliche Flüsschen Gärten und Lauben unter Wasser setzt oder der Vorsitzende einer Sparte, mittlerweile über 70 und Gatte einer pflegebedürftigen Ehefrau, den Vereinsvorsitz aufgeben muss.

Und sollte es andererseits wirklich nochmal einen unbelehrbaren Drittelteilungsfanatiker geben, dann wird diesen die Demographie belehren, denn vielen Sparten fehlt inzwischen der Gärtnernachwuchs. Man muss sich öffnen, wie in den Bunten Gärten Leipzigs.