Die Tage des Gärtners

272 Seiten, grün eingebunden, modern illustriert von Nils Hoff – Jakob Augsteins „Die Tage des Gärtners – Vom Glück im Freien zu sein“ (Hanser). Meine liebe Freundin Ina hat mir das Buch zum  Geburtstag geschenkt – vielen Dank dafür!

Es ist kein eigentliches Gartenbuch. Ein Stichwortverzeichnis erleichtert die Suche, wenn der Leser tatsächlich etwas über eine Pflanze wissen möchte, da das Werk nicht nach Pflanzenarten oder wie die üblichen Gartenbücher aufgebaut ist. Jakob Augsteins Herangehensweise, das Buch nach den vier Jahreszeiten zu gliedern, scheint logisch. Nachdem ich angefangen hatte es zu lesen, habe ich tagelang überall seine Weisheit verbreitet, dass der Herbst die Jahreszeit der Gärtner ist, der Frühling dagegen die der Gartenzentren, die es uns gerade andersherum plausibel machen wollen. Ich habe zwar keine Ahnung vom Gärtnern, aber Herr Augstein hat in diesem Punkt wohl recht! Seine Kapitelbezeichnungen, wie „Frösche“ und „Immergrün“ dienen nur zur Groborientierung.

Was mich bei diesem Buch störte, waren Augsteins Abschweifungen in Philosophie, Weltgeschichte, Allgemeinwissen. Jaaaa, Sie wissen viel (klar, bei dem Nachnamen, diesem Vater, der Familie!), aber müssen Sie denn dem Leser das alles unter die Nase reiben? Das soll dazu reichen.
Trotzdem lohnt es sich, das Buch zu lesen. Wenn Augstein seitenweise über Geranien, Hortensien und Funkien schreibt – am Ende des Buches schwingt er sich nochmal richtig auf! – dann weiß man wieder, warum man das Buch doch weiter empfiehlt. Sogar richtig amüsant wird es, wenn er beschreibt, wie er dem Giersch den Garaus machte oder wie man sich mit welchen Pflanzen am besten berauscht.

Seine vielen Hinweise auf Pflanzen – durchaus sympathisch von seiner selektiven Wahrnehmung geprägt – erschließen sich dem Laiengärtner nur durch weitergehende Recherche in anderer Literatur und im Internet. Das finde ich aber in Ordnung, „Die Tage des Gärtners“ ist schließlich kein Bilderbuch und eben kein klassischer Ratgeber, macht dafür neugierig auf diese Pflanzen und ehrlich gesagt würde ich auch gerne mal Augsteins Garten sehen.

Wie das Leben endet auch das Buch – mit dem Tod. Für mich sehr berührend beschreibt Jakob Augstein, wie er in einem strengen Winter seine Fische verlor, obwohl er doch einen extra tiefen Teich für sie angelegt hatte. Leider war das Eis so dick, dass kein Licht mehr an die Wasserpflanzen drang und dann nahm das Elend seinen Lauf. Das Gute an diesem Buch ist aber auch, dass Augstein klarmacht, wie sehr eben die Vergänglichkeit zum Garten gehört. Die bitteren Monate Januar und Februar lassen uns Gärtner immer wieder gemeinsam leiden, bevor wir uns dann gemeinsam über jede grüne Triebspitze freuen.

Passend dazu die lieben Worte der Buch-Widmung von Ina:

„Aufs Wachsen & Gedeihen
Aufs Hegen und Pflegen.
Alles Gute!“

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