Wenn Schauen hilft…

…ist Tag der offenen Gartentür in Delitzsch.

Stellt Euch vor, Ihr wohnt in einer Stadt, um die herum fast alle Städte und Dörfer in braun-schlammigen Hochwasserfluten versinken, aber Eure Heimatstadt bleibt trocken.

Stellt Euch vor, da werden in 15 Kilometern Entfernung Gärten, Erinnerungen, Tiere weggespült. Was unten war, ist oben. Und was grün war, ist braun.

Stellt Euch vor, Ihr organisiert den Tag der offenen Gartentür, der in dreizehn Tagen stattfinden soll, eben in dieser „Inselstadt“.

So ging es mir am Montag, als in Eilenburg und Bad Düben das Muldewasser bis zur Oberkante Unterlippe schwappte. Da saß ich in einer Pressekonferenz Umweltminister, Landrat und Polizeihäuptling gegenüber und sie sagten Sätze, wie „Das wird schlimmer als 2002.“, „Wir müssen evakuieren.“, „Zwangsevakuierungen hat es nicht gegeben. Noch nicht.“
Der Polizeihäuptling kam gerade aus Grimma, wo er schon 48 Stunden im Hochwasser-Déjà-vu steckte. Heulte, weil er dachte, dass er nie wieder ansehen muss, wie diese so schöne Stadt untergeht. Und ihn die Mulde doch dazu zwang.

Stellt Euch vor, Eure Kollegen wohnen in Häusern, die überflutet werden. Die nach oben geräumten Möbel sind vielleicht trocken geblieben, aber dieser Schlamm, der Geruch nach feuchter Erde… Zwangsevakuierung. Nun doch. 30 Minuten, um ihre Sachen zu packen (was „packt“ man da?) Nicht wissen, ob sie ihre Heimat je so wiedersehen werden.

Stellt Euch vor, in einem anderen Bundesland, aber doch nur zehn Kilometer entfernt, droht ein riesiger See mit einem einzigen Schwapp eine Stadt zu fluten. In der Stadt haben Eure Eltern früher ihre Berufsausbildung gemacht, dort habt Ihr ebenfalls Kollegen und Freunde.

Und da sollte ich über den Tag der offenen Gartentür nachdenken? Denken ging nicht! „Was, Du denkst im Ernst drüber nach, die Veranstaltung abzusagen?“ JA. JA. JA. Immer wieder! Was sollen sich hier die Menschen gegenseitig ihre Horte der Glückseligkeit angucken, wenn drumherum so eine Scheiße passiert?

Die einzige überhaupt in Betracht kommende Variante war und ist, in den Gärten Spenden zu sammeln. Und das machen wir jetzt. Ich teile Spendenbüchsen aus und wir reichen das Geld 1 : 1 weiter an die unweit liegende Gemeinde Löbnitz. Ein schlechtes Gewissen bleibt.

Ich patze Menschen an, Frager.
Eine Spendenbescheinigung bekommen die dann wohl nicht?“ – „Wer solln die ausstellen in den Gärten? Es jeht doch um die Kohle für Löbnitz. Keine Bescheinigung, nur Vertrauen! Tschüss!“
Ob du das so einfach machen kannst? Ich weiß ja nicht! Das musst Du doch anmelden?“ – „Mensch, da fraach ich doch nich noch rum, ey. Boxen aufgestellt, Geld rein, Geld raus und nach Löbnitz überwiesen.“
Wie soll denn das laufen? Hast du Dir das mal überlegt?“ – „Nein. Das kriegen wir schon hin, wir Gärtner!“

Leute, wenn Ihr in der Nähe wohnt, kommt am 16. Juni von 13 bis 17 Uhr nach Delitzsch.

Schaut Euch Gärten an und helft. Spendet!

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