Ahnungslose, die

Ahnungslose, die. Auch: die Unwissende, die Ungebildete. Plural gibt es nicht, nur eine Personenzuordnung: Frau Fuchs. (Eintrag aus dem Kunksmuhmschen Wörterbuch.)

Es war einmal eine Frau. Die kam durch hier nicht zu nennende Umstände zu einem Haus und einem Grundstück, auf dem nicht nur zwei Altstadt-Reihenhäuser stehen, sondern auch ne Menge an Nebengebäuden. Zwischen diesen Gebäuden, die sich nahezu allesamt in einem recht kläglich Zustand befanden (und befinden), lag etwas, das die Bezeichnung Garten eigentlich nicht verdient hat:

Es gab eigentlich nur etwas Rasen, ein paar lieblos hingepflanzte Stauden, etliche hohe Nadelgehölze und einen Süßkirschbaum auf der ehemaligen Grundstücksgrenze, der von den Vorbsesitzern gnadenlos oben abgesäbelt worden war.

Die Frau bin ich und mein Gatte schritt im Frühjahr 2009 zur Tat: Er ließ eines Tages heimlich die Nadelbäume absägen. Als ich das bei meiner Heimkehr bemerkte, war ich ob des vermeintlichen Baumfrevels entsetzt, aber recht schnell war mir klar, dass es nun endlich Licht im „Garten“ gab. Die Wurzeln der Bäume blieben uns allerdings bis zur Erdaustauschaktion im Frühjahr 2012 erhalten.

Im Winter 2010/11 forderte der Gatte mich nachdrücklich auf, endlich einen Gartenplan anzufertigen, denn schließlich zeichne sich die Sanierung des Hauses ab, nach der wiederum der Garten „fällig“ wäre. Insgeheim verzweifelte ich. Ein Gartenplan? Pflanzen? Wege? Was? Wie? Warum???? Ich hatte einfach null Ahnung von der Materie und fasste einen simplen Plan.

Die (für mich) logische Konsequenz aus meiner Begeisterung für das 17. und 18. Jahrhundert, aus meiner jahrenlangen Arbeit in einem Barockschloss mit nettem Gärtlein und aus Besuchen in Pillnitz, Oranienbaum etc. war dann, meinen eigenen kleinen Barockgarten zu planen. Es macht natürlich vollkommen Sinn, sich als völlig Ahnungslose gleich ein solches Projekt ans Bein zu binden.
Haha.

Hier seht Ihr mal den ersten Plan:



Kaputt lachen könnte ich mich heute – ein Buchsparterre mit Ornamenten und einem „F“ wollte ich anlegen! Und der Gatte wünschte sich eine Grotte und für den eventuellen Nachwuchs eine Ritterburg  (Ich würde an dem Punkt mal unterstellen, dass der Nachwuchs männlich werden soll).
Wegekreuz und Buchseinfassungen haben wir tatsächlich umgesetzt, zumindest damit angefangen. Im April war ja der Erdaustausch und so sah es Mitte Juni (noch ohne Buchs) aus:

Im hinteren linken Quartier ist das Kräuterbeet angelegt, das muss es unbedingt geben, denn Kräuter verwende ich täglich. Im hinteren rechten Quartier wachsen Iris, Taglilien, irgendein Schilfgras als Sichtschutz und ab und an Rauke, Radieschen, Portulak, Salat sowie derzeit Tomaten und Paprika.

Das vordere rechte Quartier wird von unserem herrlichen Kirschbaum bestimmt. Den lieben wir heiß und innig, weil er Schatten und leckerste Kirschen spendet.

Das vordere linke Quartier ist völlig symmetrisch angelegt und entsprechend dem Anspruch des Barockgartens sollte es schön bunt sein, daher wächst bei uns vieles durcheinander, z. B. Salbei neben Rosen, Paprika neben Lavendel etc. Der Gatte meinte lakonisch zu mir „Probiere es einfach aus…“
Und so sah es Anfang August aus:

Ich hoffe, man kann etwas erkennen, zumindest vielleicht, dass alles noch etwas zusammen gewachsen ist. Der Brunnen, der für den Kreuzungspunkt der Wege gelant war, steht noch nicht und auch die Wege sind noch nicht befestigt, aber man braucht ja Ziele, oder?!

Inzwischen bin ich soweit weiterzuplanen, was allerdings bedeutet, dass es einen Garten wie in diesem Jahr nicht wieder geben wird. Die Grundanlage bleibt, doch es muss sich etwas ändern…

Sagte die Ahnungslose.

Grüne Hölle

Sie wuchert. Uns. Zu.

Die Kapuzinerkresse wächst derzeit nicht nur über das gesamte Kräuterbeet, sondern kriecht wahrscheinlich bald über den gesamten Garten bis in unser Haus. Und nachts kraulen wir – der Gatte und ich – uns dann nicht gegenseitig am Hals, sondern die Kapuze (wie ich sie heimlich nenne) vergreift sich an diesen Körperteilen. Grusel!!!

Schaut selbst:

Kapuze ist jetzt so hoch wie ich, etwa 165 Zentimeter. Regelmäßig muss ich ins Beet, um mit ihr den Kampf aufzunehmen. Dann schnappe ich mir die wegkriechenden Kapuzenarme und versuche, sie an den kegelförmig zusammengebundenen Schilfgrasstäben zu fixieren. Es gelingt mal mehr, mal weniger. Nicht selten muss ich am nächsten Tag entdecken, dass sie wieder Land gewonnen hat.

Es gilt, der Kapuze sinnvoll den Garaus zu machen. In einem früheren Post hatte ich bereits das Rezept für Kapuzinerkresse-Butter aufgeschrieben. Bei Chefkoch.de findet Ihr noch eine Menge weiterer Rezepte mit dem grusligen Kraut.

„Grüne Hölle“ ist übrigens der Titel eines französischen Films, in dem eine Pflanze das Leben einer Frau zer… Was krault mich da plötzlich am Haaaaaaaa

Der Pups der Weisheit

„Studentenfurz“ oder „Studentenblume“ wird sie genannt, die Tagetes. Den deftigen Beinamen hat die Pflanze erhalten, weil die Blätter der Urform stark und nicht gerade angenehm duften. So sehen übrigens die Blüten der aus Mexiko stammenden, hoch wachsenden Urform/Wildform aus:

Die Samen dafür haben wir 2010 entweder von der LaGa Aschersleben oder aus dem Schlossgarten Mosigkau mitgebracht und erst in diesem Jahr ausgesät. Ich nahm eigentlich an, dass es sich bei den Streiflingen um eine moderne Züchtung handeln würde, denn früher kannte ich nur die gefüllten Tagetes:

Die meisten Sorten wachsen heute recht niedrig und werden nur etwa 30 cm hoch. Die Urform wächst bei uns im Garten schon bis auf 50 cm. Es gibt wohl auch Sorten, die bis zwei Meter hoch werden – man könnte aus denen sogar eine Hecke pflanzen und den Nachbarn bestinkern!

Den lateinischen Namen hat die Pflanze vom etruskischen Halbgott Tages, dem Gott der Weisheit, der einer Ackerfurche entstieg. Die recht anspruchslose Pflanze würde wohl auch in jeder Ackerfurche wachsen. In unserem Garten kommt sie mit Sonnen- und Schattenplätzen gut zurecht, freut sich über das Gießwasser, lebt aber auch ohne. Nur Staunässe mag sie nicht – aber welche Pflanze mag das schon?!

Kennengelernt habe ich die Studentenblumen auf der „Gabel“ (ein kleines Stückchen Land) von Opa Z., wo sie als kleine Hecke wuchs. Eine besondere Vorliebe habe ich für diese Blumen nie entwickelt – ihre Blüten- und Blätterformen fand ich nie sonderlich ansprechend. Dass die Blume auch „türkische Nelke“ genannt wird und ich früher ja auch meine Nelkenabneigung pflegte, passt dann irgendwie auch zusammen.

Mein Gatte, der manchmal auch pragmatisch ist, meinte jedoch, dass die Pflanze leicht selbst zu ziehen sei und in recht kurzer Zeit den Garten füllt und ziert (und mit dem strengen Geruch auch viele Schädlinge vertreibt!). Womit der gute Mann nicht unrecht hat. Also folgte ich ihm, säte Samen. Und ließ mich ob des Ergebnisses überraschen. Denn natürlich hatte ich auf meinen 2010er Samen-Sammel-Touren keine Fotos der Blüten gemacht und wusste deshalb ü-ber-haupt nicht, was da rauskommen würde. Diese blühenden Überraschungen sind richtig schön!

Der NABU beschreibt gut, wie man die Tagetes vermehrt:

Vermehrung mit selbstgewonnenem Saatgut

 Wer Studentenblumen selbst vermehren möchten, kann einfach im Herbst die reifen Samen ernten. Zu beachten ist, dass die stabförmigen Samen in absolut trockenem Zustand geerntet und dann frostfrei aufbewahrt werden müssen. Die Aussaat erfolgt ab Januar im Treibhaus oder im Freiland Ende April, besser noch erst nach den Eisheiligen Mitte Mai; die Keimtemperatur liegt bei 15 bis 18 Grad Celsius. Tagetes mögen es in der Regel sonnig, vertragen aber auch Halbschatten. Die Blütezeit reicht je nach Sorte von Mai bis in den Oktober hinein. Verwelkte Blüten sollten regelmäßig entfernt werden, denn das fördert die Nachblüte.

Forscher haben übrigens in jüngerer Zeit nachgewiesen, dass die Tagetes gegen eine bestimmte Augenkrankheit hilft. Also ist sie auch eine Heilpflanze…

Drei, zwei, eins – Deins!

Dieser Post ist ein Geschenk. An Euch alle und an Arthurs Tochter ganz besonders. Es feiert nämlich nicht nur ihr cooler Blog http://arthurstochterkocht.blogspot.de/ Geburtstag, sondern auch sie selbst, und dann haben sie und ihr Gatte auch noch dritten Hochzeitstag!

Das sind ja drei Dinge auf einmal? Jaaaa! Und deshalb gibt’s virtuelle Geschenke. Von mir nur ein kleines Rezept, aber hoffentlich freut sie sich trotzdem:

Zitronenmelisse wächst in wirklich jedem Garten, meist mehr, als man davon haben möchte. Dabei ist sie für allerlei Gerichte gut zu gebrauchen. Im Sommer mache ich gern damit Zitronenmelisse-Pesto.

Dazu nimmst Du eine gute Handvoll von gewaschenen Melisseblättern und gibst sie mit Öl (kann Oliven- oder Rapsöl sein), gerösteten Pinien- oder Sonnenblumenkernen und einer halben Knoblauchzehe sowie Meersalz in einen Küchenzerkleinerer. Du kannst auch den Pürierstab nehmen. Wenn alles gut kleingehäckselt ist, gibst Du noch etwas frisch gemahlenen (logisch) Pfeffer hinzu und schmeckst mit frischem Zitronensaft ab. Gerne kannst Du auch etwas Zitronenabrieb zugeben. Und nun fehlt noch der Käse. Es sollte ein Hartkäse sein, der nicht zu kräftig schmeckt. Heute hatte ich schon mal den spanischen S’arangi erwähnt, der wäre ganz gut geeignet. Er wird fein gerieben und zu den anderen Zutaten gegeben. Umrühren und schon ist das Pesto fertig. Es passt hervorragend zu geröstetem Schwarzbrot und gegrilltem Fisch.

Entschuldigt, dass ich keine genauen Mengenangaben machen kann. Ich bereite das Pesto immer aus dem Handgelenk zu. Ihr merkt schon, wenn noch etwas fehlt.

Und über die Zitronenmelisse als Heilkraut erfahrt Ihr viel Wissenswertes hier.

Spaghetti, die heilen

Das schnellste Essen der Welt ist Pasta mit Salbei-Butter. Schon Alfred der Große (nämlich Biolek), der Vater aller Kochsendungen (und das als Nicht-Gelernter), hatte dieses Gericht stets kräftig beworben. Der Ruf von Salbei als Hustenmedizin und der schreckliche Geschmack mancher Hustenbonbons haben mich viele Jahre davon abgehalten, es mal auszuprobieren.

Irgendwann war der Hunger mal wieder groß, Zeit und die Verfügbarkeit von im Haus befindlichen Zutaten knapp, und ich machte mich einfach ans Werk. Ließ Butter mit einem Klecks Rapsöl in der Pfanne zerlaufen und gab eine Handvoll saubere Salbeiblätter hinein. Als diese ihre Farbe veränderten, gab ich die gekochten Spaghetti sowie gemahlenen Pfeffer hinein. Hab das einfach geschwenkt und fertig war das Essen. Und es war lecker! Inzwischen werfe ich am Anfang noch zwei Knobi-Zehen in die Pfanne (nicht zerdrücken!), gebe mit der Pasta zwei, drei Löffel des Kochwassers in die Pfanne und auch eine gute Handvoll geriebenen Hartkäse. Je nach Geschmack kann das ein Gruyere sein oder ein Parmesan. Gestern habe ich einen Käse aus Menorca, S’arangi, gewählt. Sehr lecker.

Salbei, lat. Salvia officinalis, ist ein wirkliches Heilkraut. Auf der lesenswerten Website heilkraeuter.de steht ausführlich beschrieben, wofür und wogegen man ihn anwenden kann. Unsere Freundin Kerstin Doelle, eine Opernsängerin, schwört auf das Trinken von Salbeitee, um die Stimme geschmeidig zu halten.

Den Salbei oben hat uns Opa Z. geschenkt. Er (der Salbei, nicht der Opa) hat in diesem Jahr wieder geblüht (siehe unten). Blühende Kräuter soll man ja eigentlich nicht mehr verwenden, denn ihnen fehlt die Kraft, die die Pflanze fast gänzlich in die Blüten steckt. Die Blätter an den blühenden Zweigen sehen dann auch kleiner und fleckig aus – im Gegensatz zu denen ohne die schönen violetten Blüten.

Und das ist ein Supermarkt-Salbei, den ich im frühen Frühjahr für das Fensterbrett gekauft und dann in den Garten gepflanzt habe. Er hat sich nach einiger Zeit des Mickerns gut gemacht, nur geblüht hat er noch nicht. Die Blätter sind etwas heller als die vom Opa-Z.-Salbei.

Und Shakespeare dichtete für sein Wintermärchen:

Lavendel, Minze, Salbei, Majoran,
die Ringelblum‘, die mit der Sonn‘ entschläft
und weinend mit ihr aufsteht: Das sind Blumen
aus Sommers Mitte, die man geben muß
den Männern mittlern Alters.

Alles in Butter

Schnell gemacht: Kapuzinerkresse-Butter.

Eine Handvoll Kapuzinerkresseblüten und -blätter, etwa vier bis fünf Stängel Schnittknoblauch und etwas Meersalz in ein weiches Stück Butter einarbeiten.

Sieht superschön aus, schmeckt fantastisch, kann man ein paar Tage aufheben und auch einfrieren.

Zum Beeindrucken vom Gatten, von Freunden und Gästen auf kleinen Brotscheiben servieren. Hmmm…

Die Akelei, das unbekannte Wesen

Die Akelei, das unbekannte Wesen. Wie sie in unseren Garten kam, weiß kein Mensch. Aber sie blühte als erste von allen Pflanzen und legte immer wieder mit schönen blauen Blüten nach. Bis sich aus scheinbaren Knospen plötzlich runzlige hellbraune Kapseln bildeten.
Auch die voll unbegabte Gartenschnuspel (ich) merkte irgendwann, dass es sich bei den Runzeldingern wohl um Samenkapseln handeln muss. Selbige habe ich Anfang Juli in einem Briefumschlag über Kopf gedreht und ausgeklopft. Mal schauen, ob ich aus den schwarzen Kügelchen nächstes Jahr Akelei-Nachwuchs ziehen kann.

Im Schatten unterm Kirschbaum ist eine Akelei eingegangen, die am Sonnenstandort wuchs jedoch wie Hanne. Die Blätter verfärben sich mit dem Blüh-Ende vom satten Grün zum dunklen Blauviolett, sieht ganz schön aus. Die „Wassersammelnde“ heißt der Pflanzenname übersetzt. Hat aber nichts mit dem Trinkbedarf der Akelei zu tun, denn ich glaube, sie kommt auch mit weniger feuchtem Boden aus.

Abschließend sei noch bemerkt (ein guter Blogger schreibt nur 250 Zeichen, haha, das werd ich wohl nie schaffen), dass mein Opa Z. immer Akelei gesagt hat, was Oma Z. heute auch noch tut. Also mit der Betonung auf der ersten Silbe. Gemeinhin sagt man wohl Akelei.