The Schreber Spirit

Letzten Montag in Dresden. Erstmals Besuch der Geschäftsstelle des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner e. V. Eine hübsche Villa mit hölzernem Wintergarten scheint nur passend als Sitz für den LSK. Räume gibt es allerdings begrenzt, ebenso Personal. Erwartet hatte ich das anders, schließlich klingt LANDESVERBAND nach ’ner Menge Angestellter in vielen teuer eingerichteten Büros.
Nur eine Handvoll sehr beschäftigt und engagiert wirkender Menschen aber wuselt durch den Flur, in dem eine Vitrine mit meisterlich gefertigten Modellen früher Gartenlauben bestückt ist. Heimelig wirken sie und schützenswert.

150 Jahre Schreberbewegung feiern die Kleingärtner in diesem Jahr. 2014 mag das für manche seltsam und altmodisch klingen: Kleingärtner, Schrebergarten, Laubenpieper. Und doch erfahren die kleinen Parzellen mancherorts großen Zuspruch. In den westdeutschen Großstädten etwa gibt es lange Wartelisten, auf denen der Gärtnerwillige gut und gerne ein paar Jahre auf sein kleines Stückchen Grün lauert. Im Osten kennen wir es dagegen anders, denn der Wegzug von 1,1 Millionen Menschen nach der Wende warf für viele Kleingartenanlagen ein vorher nicht gekanntes Problem auf, den Leerstand. Gar bedrohlich ist es für einige Vereine geworden. andere haben es mittlerweile ganz gut im Griff.
Lösungsansätze für das Leerstandsproblem gibt es, wie ich finde, noch zu wenige. Senioren- und barrierefreie Gärten entstehen, leere Gärten werden pachtfrei gestellt, leere Gärten werden durch andere Pächter mit gepflegt, Öffentlichkeitsarbeit wird verstärkt etc.

In Mecklenburg-Vorpommern sind Seniorengärten seit dem 11. März 2013 von der Drittelteilung befreit und damit von dem Zwang, mindestens ein Drittel der Gartenfläche für den Anbau und jeweils maximal ein Drittel für bauliche Anlagen (Laube, aber auch Gewächshäuser, Wege, Zäune!) und für Zierpflanzen zu nutzen. Der mir mittlerweile sehr gut bekannte Vereinsvorsitzende einer Anlage meiner Heimatstadt war für die Idee eines Seniorengartens sehr schnell zu begeistern. Gleichwohl er für seine Anlage keinen Leerstand zu verzeichnen hat, sieht er einen solchen Garten als sinnvolle Einrichtung. „Wenn meine Mitglieder aus Altersgründen irgendwann den Garten nicht mehr halten können, müssen sie dann trotzdem nicht auf frische Luft verzichten und machen eben einfach das, wozu sie noch in der Lage sind.“ Noch in diesem Jahr, das für ihn wegen der spannenden Nachnominierung für den Bundeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ sowieso schon sehr aufregend ist, möchte er einen Garten extra freilenken, der zukünftig durch drei bis fünf Senioren und Seniorinnen bewirtschaftet werden kann.

Denken wir an die ersten Schreberplätze zurück, von Ernst Innozenz Hauschilds errichtete Freiflächen, auf denen Kinder turnen und spielen sollten, so stellen wir eine Art positive Umkehr der vor 150 Jahren begonnenen Entwicklung fest. Von der strengen Erziehung der Jüngsten ist man (zum Glück) abgekommen; heute finden die Menschen im Kleingarten ihr Fleckchen zur Erholung und Anbauflächen für die Selbstversorgung. Mal sehen, wohin es in den nächsten Jahren geht und welches Bundesland als nächstes die Drittelteilung für Seniorengärten aufhebt.

Schönen Sonntag noch,
Eure Füchsin!

PS: „Gut Wehr!“ wünscht man Feuerwehrleuten, „Toi, toi, toi!“ den Schauspielern, aber was denn um alles in der Welt den Schrebergärtnern???

3 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s