Buchs – was sonst?

Heute erfreute der MDR Garten mit einem kurzen Special zum Thema Buchsbaum. Im EGA-Park in Erfurt schritt Moderatorin Claudia Lock-Fließtal mit dem Parkleiter an Buchsbaumkugeln vorbei und durch ein Buchs-Labyrinth. Sie sprachen über Krankheiten, die den Buchs befallen können und das sind wahrlich viele. Daher war es nicht wirklich logisch, dass die Beiden nicht über Alternativen zum Buchs gesprochen haben.

Kirsten Lammerting verweist in ihrem Buch „Knotengärten“ zum Beispiel auf die Berberitze, die es rot- und gelbblättrig gibt. Nachteile: fiese Dornen und Laubabwurf im Winter. Lammerting schwört jedoch auf das kontrastreiche Farbspiel.
Unbekannt war mir bis zur Lektüre ein anderer Tipp von Kirsten Lammerting: Echter oder Edel-Gamander. Stark wachsend benötigt das bis 35 cm hohe mediterrane Gewüchs einen regelmäßigen Schnitt. Es liebt kalkreiche trockene Böden und ist – am Mittelmeer – winterhart. Die rosa-violetten Blüten sind dekorativ, die Blätter duften aromatisch. Unklar ist, wie der Gamander mit unseren frostreichen Wintern klar kommt.

Das Online-Garten-Magazine „Garden & Flowers“ empfiehlt als Hecke auch noch die Alpen-Johannisbeere, deren Früchte zwar nicht wir Menschen essen können, wohl aber die Vögel. Sie eignet sich jedoch nur für halbschattige Standorte und wächst am besten auf kalkhaltigem Boden.
„Garden & Flowers“ empfiehlt für Hecken außerdem den Ovalblättrigen Liguster, eine recht anspruchslose Pflanze.

Bekannt als Formgehölz ist die Europäische Eibe, diese ist allerdings – wie der Buchsbaum – giftig.

Vor allem für den Formschnitt geeignet ist Evergreen, also Cotoneaster – Zwergmispel. Ahrens + Sieberz bezeichnet sie als „echte Alternative zum Buchs“. In der Schweiz ist die Einfuhr seit 2002 verboten – die Pflanzen gelten als Hauptwirte für den Feuerbrand, eine bakterielle Erkrankung von Kernobstgewächsen.

Als Beeteinfassung gibt es natürlich noch andere Alternativen, wie den Frauenmantel oder Lavendel.

Kennt Ihr noch weitere Möglichkeiten für Buchs-Ersatz?

Ein Gespenst geht um

Meine Heimatstadt ist in der Hand des Zünslers. Nachdem an der buchsbaumigsten Hecke aller Hecken unserer Stadt der Befall mit dem Buchsbaumzünsler festgestellt wurde und Print, Funk und Fernsehen berichteten, knieen die Bürger vor ihren Kugeln, Hecken, Spiralen und anderen Formgehölzen und suchen Raupen.

Leider werden sie meist fündig. „Ich hab ihn auch“ klingt es von jeder Seite. Schrecklich gestern Abend der Besuch bei einem Spartenvorsitzenden: Bei einer Tasse Kaffee werfen der Gatte und ich mehrere Blicke auf eine Buchsbaumfigur erstaunlichen Ausmaßes. Wir sehen die verräterischen Fraßspuren, der Vorsitzende wiegt sich und die 35 Jahre alte Pflanze in Sicherheit. „Wie heißt der? Buchsbaumzündler? Kenne ich nicht!“ Der Gatte schreitet zur Tat, beschaut sich die mehr als ein Meter lange und hohe Figur aus der Nähe, entdeckt schnell ganz viele Küttel (diese Raupen fressen nicht nur unwahrscheinlich viel, sondern schei… den auch enorm viele Mengen aus) und Raupen.

Der Vorsitzende zeigt sich trotz eines gewaltigen Schrecks – der Busch ist an mehreren Stellen bereits kahl gefressen – dankbar, dass wir ihn auf den fiesen Fresser aufmerksam gemacht haben. Nun warnt er seine Parzellenbesitzer per Aushang vor der Gefahr.

Ein Gespenst geht um. Auf Billigbuchsbäumen aus China um 2008 eingeschleppt, geistert es seitdem durch Deutschland. Es ist eine Seuche, verursacht durch die Globalisierung. Irgendwann werden die Geschichtsbücher diesen Befall als Episode erwähnen. Vielleicht ist daneben dann ein Buchsbaum abgebildet, eine ausgerottete Pflanze.

Erschreckendes Kompliment!

Plötzlich war sie da: schwarz, groß, brummend.

In der Nähe unserer Wicken flog sie vor ein paar Tagen dick und schwer in Brusthöhe umher, labte sich an den Blüten dieser Schmetterlingsblütler und erschreckte uns mit ihren „Angriffsflügen“ nicht wenig.
Es ist die Große Holzbiene, in Deutschland selten anzutreffen. Sie nistet an sonnigen Plätzen in Totholz und ist drei Zentimeter groß. Ehrlich gesagt kommt sie uns größer vor – dieses Insekt überragt Hummeln, Bienen und Wespen deutlich! Und diese Körperfarbe wirkt tatsächlich sehr bedrohlich, denn die Holzbiene ist tiefschwarz (für Insider: Passt ja zu uns), nur manchmal schimmern die Flügel im Sonnenlicht blau.

Die Große Holzbiene steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten, insofern ist ihr Dasein in unserem Garten – gestern war es sogar ein Pärchen – doch ein Kompliment. Willkommen also, Du Große Holzbiene.

Wir schlagen zurück!

Er ist wieder da. The Zünsler is back!

Erst waren es kleine grüne Krümel an den Buchsbäumen, die wir vor ein paar Monaten geschenkt bekamen und bereits vermeintlich mit Bi58 bekämpft hatten. Dann haben wir gestern auch Raupen entdeckt, diese eigentlich gar nicht so schlecht aussehenden grün-schwarz gestreiften kleinen Dinger, die mit unbändigem Appetit die Buchsis kahlfressen.

Unsere zweite Attacke führen wir nun mit „Calypso“ von Bayer durch. Leider hat es bald nach dem Aufbringen geregnet und nun müssen wir erst einmal prüfen, ob das Gift geholfen hat. Dabei hasse ich Gift im Garten!!!

Unsere Freunde U & F hat es nun auch erwischt. Sie haben zwei riesig große Buchskugeln, die außen noch völlig gesund aussehen und dabei innen schon ziemlich kahl gefressen sind. U war völlig paralysiert von der Verfressenheit der Tiere, die er zu Dutzenden von den großen Pflanzen abgelesen hat.

Was wir mit unseren drei befallenen Gesellen machen, ist unklar. Ich bin für’s Verbrennen, der Gemahl meint „Sie gehören zur Familie!“. Auf jeden Fall müssen sie kräftig beschnitten werden und zwar bis in das alte Holz, was ich dann im Frühjahr tun werde. Durch fleißiges Wässern und Düngen sollen sie danach wohl erneut gut austreiben.

Drückt bitte die Daumen.

Glück in Blütenform

So etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal: Der Züchtungsleiter von Rosen-Kordes ruft an und fragt, ob eine neue Duftrosen-Züchtung nach einer historischen Persönlichkeit der eigenen Heimatstadt benannt werden kann. Als Pressesprecherin mit Hang zum Grünen und Blühenden darf man sich um diese Anfrage kümmern und später sogar eine Rosentaufe mit Kordes vorbereiten.
Im Visier des Fotografen zeigt sich „Herzogin Christiana“
gefällig und dekorativ.
Besagte Persönlichkeit ist Herzogin Christiana von Sachsen-Merseburg, eine im 17. Jahrhundert lebende Urenkelin des dänischen Königs, die es durch eine Heirat mit dem sächsischen Prinzen Christian erst an den kurfürstlichen Hofe nach Dresden verschlagen hat, bevor sie mit ihrem Gemahl ein eigenes Schloss in Merseburg bezog. Den Witwensitz nahm sie schließlich in meiner Heimatstadt, in einem kleinen Barockschlösschen mit Garten.
Der Anruf von Thomas Proll, dem leidenschaftlichen Rosenarbeiter, Züchtungsleiter, Öffentlichkeitsarbeiter von Rosen-Kordes, erreichte mich im April. Es folgten ein paar E-Mails hin und her und ein paar nette Telefonate, bevor schließlich am 7. August im Rosengarten meiner Heimatstadt die Taufe der „Herzogin Christiana“ stattfand.
 
Eine pittoreske Kulisse: der Rosengarten
„Herzogin Christiana“ gehört zu der „Parfuma“-Serie von Kordes, aus fünf Züchtungen bestehend: „Constanze Mozart“, „Madame Anisette“, „Gräfin Diana“ und „Rosengräfin Marie Henriette“. Eine sieht schöner als die andere aus, aber am schönsten ist die Beetrose „Herzogin Christiana“, die mit ihren blassrosa gefüllten Blüten bezaubert und vor allem mit ihrem zitrusfrischen Duft.
Türmerstochter (links) und Rosenkönigin
schauen zum Blumenarrangement und zu
Züchtungsleiter Thomas Proll

Diesen Gärtner möchte man sich gerne daheim ins Beet stellen, denkt man zugegebenermaßen, sieht man Thomas Proll mit seinem Strohhut. Nie wieder würde man Probleme haben mit Mehltau oder anderen Rosenkrankheiten! Und dekorativ wäre dieser (studierte!) Gärtner allemal, oder?!

 Wilhelm-Alexander Kordes schaut der Rosenkönigin auf die Finger.
Diese tauft die „Herzogin Christiana“ mit Wasser aus dem
nahe gelegenen Flüsschen.
Alles in allem war diese Rosentaufe ein Termin für’s Herz, das meinte auch die Dame vom städtischen Bauhof, dessen Mitarbeiter neben gefühlt 1000 Kilometern Straßenbegleitgrün auch die Rosen im Stadtbild pflegen müssen. Ein Termin im Jahreslauf, der für viele von den Anwesenden einmalig bleiben wird. Ein Glück, dass wir dabei sein durften!

Landesgartenfachberater und Landesbewertungskommission

Ein großer Tag für einen örtlichen Kleingartenverein. Die Landesbewertungskommission kommt.
Ihre Mitglieder schauen ernst und meinen es auch so. Es geht um viel. Es geht um die Krone. Die Landeskrone für die beste Kleingartenanlage. Und die Chance, zum Bundeswettbewerb zu kommen. Dafür muss im Landeswettbewerb einer der ersten vier Plätze belegt werden.

Dafür hat der örtliche Kleingartenverein viel getan, zum Beispiel Nadelbäume abgeholzt. Ihr guckt jetzt komisch. Das Bundeskleingartengesetz möchte das so. „Die Vögel sind weniger geworden“ sagt der Vorsitzende des örtlichen Kleingartenvereins in die Runde der Landesbewertungskommission. Und „Das liegt auch an den fehlenden Bäumen.“ Die Kommissionsmitglieder schauen, einer schüttelt den Kopf. Es gibt Lob für das Abholzen, die Präsentation mit Laptop und Beamer (der Vorsitzende ist 76), die unkrautfreien Wege, den neuen Naturlehrpfad.

Eine strenge Bemerkung aber fällt zum Obstbaumkrebs. Berechtigt, denn der ist beim Steinobst ansteckend. Kirschen, Pflaumen und Pfirsich müssen also weg, damit sich der Pilz nicht weiter verbreitet. Das Holz sollte verbrannt werden. Hier ist der Landesgartenfachberater nachdrücklich, denn er weiß wovon er spricht. Er ist so eine Art Allwissender, der sowohl die Gartenfreunde beim Gärtnern berät und auch die Vereinsvorstände beim Papierkram. Jedes Jahr bildet er Fachberater aus. Die braucht der Verein, auch um die Gemeinnützigkeit zu erlangen. Kein Fachberater, keine Gemeinnützigkeit, keine Steuervergünstigung. Ätsch.

Dann doch lieber früher an später denken und ein junges Vereinsmitglied zur Fachberaterin ausbilden lassen. Und wieder bei der Landesbewertungskommission punkten. Die freut sich über Fachberater und über junge Menschen im Verein. In einer demographisch unausgewogenen Region zählt jeder junge Mensch doppelt. Und wenn dann der Zensus kommt und richtig zählt, wundert sich die Region, dass Menschen fehlen. Nun gut. Ohne Jugend kein Nachwuchs im Verein. Stellt Euch vor, dann wäre irgendwann alles umsonst. 

Seit 1969 gibt es diesen örtlichen Kleingartenverein, der heute Vorsitzende war Gründungsmitglied. Seine Frau hat er lange gepflegt, im letzten Winter starb sie. Man besuche kranke Gartenfreunde, feiere zusammen, arbeitet gemeinsam für den Flecken Erde. Was die Präsentation als bloße Buchstabenreihen abbildet, sind viele Menschengeschichten…
„Es wäre schändlich gewesen, wenn Sie sich nicht beworben hätten.“ sagt der Leiter der Landesbewertungskommission. Und er sagt auch, dass man sich wieder sehen wird.