Heckenheirat

Ich muss irre sein!

Letzte Woche einen WDR- Bericht über Kristin Lammerting und ihren 9000-qm-Garten gesehen. Den Entschluss gefasst, einen Knotengarten anzulegen. Buch bestellt und gelesen (absolut empfehlenswert!!!). Verzweifelt, weil in diesem Jahr der Knoten nicht realisierbar ist.

Ich habe wirklich eine Meise! Als absolutes Garten-Greenhorn ausgerechnet das so ziemlich Komplizierteste, was es gibt, haben zu wollen!

Diese verschlungenen Formen, das Über- und Untereinander, die sich zu einem geordneten Ganzen schlingende Unordnung, die Symbolik – ach, diese grünen Knoten sind einfach ein Traum.

To tie the knot – den Knoten festziehen – ist in Großbritannien eine Metapher für das Heiraten. Man verheiratet als Knotengärtner also die Hecken. Und die müssen nicht nur grün (Buchs), sondern können übrigens auch gelb und rot (Berberitze) sein.

Wenn ich mit der Heckenheirat loslege, berichte ich hier…

Ahnungslose, die

Ahnungslose, die. Auch: die Unwissende, die Ungebildete. Plural gibt es nicht, nur eine Personenzuordnung: Frau Fuchs. (Eintrag aus dem Kunksmuhmschen Wörterbuch.)

Es war einmal eine Frau. Die kam durch hier nicht zu nennende Umstände zu einem Haus und einem Grundstück, auf dem nicht nur zwei Altstadt-Reihenhäuser stehen, sondern auch ne Menge an Nebengebäuden. Zwischen diesen Gebäuden, die sich nahezu allesamt in einem recht kläglich Zustand befanden (und befinden), lag etwas, das die Bezeichnung Garten eigentlich nicht verdient hat:

Es gab eigentlich nur etwas Rasen, ein paar lieblos hingepflanzte Stauden, etliche hohe Nadelgehölze und einen Süßkirschbaum auf der ehemaligen Grundstücksgrenze, der von den Vorbsesitzern gnadenlos oben abgesäbelt worden war.

Die Frau bin ich und mein Gatte schritt im Frühjahr 2009 zur Tat: Er ließ eines Tages heimlich die Nadelbäume absägen. Als ich das bei meiner Heimkehr bemerkte, war ich ob des vermeintlichen Baumfrevels entsetzt, aber recht schnell war mir klar, dass es nun endlich Licht im „Garten“ gab. Die Wurzeln der Bäume blieben uns allerdings bis zur Erdaustauschaktion im Frühjahr 2012 erhalten.

Im Winter 2010/11 forderte der Gatte mich nachdrücklich auf, endlich einen Gartenplan anzufertigen, denn schließlich zeichne sich die Sanierung des Hauses ab, nach der wiederum der Garten „fällig“ wäre. Insgeheim verzweifelte ich. Ein Gartenplan? Pflanzen? Wege? Was? Wie? Warum???? Ich hatte einfach null Ahnung von der Materie und fasste einen simplen Plan.

Die (für mich) logische Konsequenz aus meiner Begeisterung für das 17. und 18. Jahrhundert, aus meiner jahrenlangen Arbeit in einem Barockschloss mit nettem Gärtlein und aus Besuchen in Pillnitz, Oranienbaum etc. war dann, meinen eigenen kleinen Barockgarten zu planen. Es macht natürlich vollkommen Sinn, sich als völlig Ahnungslose gleich ein solches Projekt ans Bein zu binden.
Haha.

Hier seht Ihr mal den ersten Plan:



Kaputt lachen könnte ich mich heute – ein Buchsparterre mit Ornamenten und einem „F“ wollte ich anlegen! Und der Gatte wünschte sich eine Grotte und für den eventuellen Nachwuchs eine Ritterburg  (Ich würde an dem Punkt mal unterstellen, dass der Nachwuchs männlich werden soll).
Wegekreuz und Buchseinfassungen haben wir tatsächlich umgesetzt, zumindest damit angefangen. Im April war ja der Erdaustausch und so sah es Mitte Juni (noch ohne Buchs) aus:

Im hinteren linken Quartier ist das Kräuterbeet angelegt, das muss es unbedingt geben, denn Kräuter verwende ich täglich. Im hinteren rechten Quartier wachsen Iris, Taglilien, irgendein Schilfgras als Sichtschutz und ab und an Rauke, Radieschen, Portulak, Salat sowie derzeit Tomaten und Paprika.

Das vordere rechte Quartier wird von unserem herrlichen Kirschbaum bestimmt. Den lieben wir heiß und innig, weil er Schatten und leckerste Kirschen spendet.

Das vordere linke Quartier ist völlig symmetrisch angelegt und entsprechend dem Anspruch des Barockgartens sollte es schön bunt sein, daher wächst bei uns vieles durcheinander, z. B. Salbei neben Rosen, Paprika neben Lavendel etc. Der Gatte meinte lakonisch zu mir „Probiere es einfach aus…“
Und so sah es Anfang August aus:

Ich hoffe, man kann etwas erkennen, zumindest vielleicht, dass alles noch etwas zusammen gewachsen ist. Der Brunnen, der für den Kreuzungspunkt der Wege gelant war, steht noch nicht und auch die Wege sind noch nicht befestigt, aber man braucht ja Ziele, oder?!

Inzwischen bin ich soweit weiterzuplanen, was allerdings bedeutet, dass es einen Garten wie in diesem Jahr nicht wieder geben wird. Die Grundanlage bleibt, doch es muss sich etwas ändern…

Sagte die Ahnungslose.

Das himmlische Kind

Wisst Ihr, was für meine Buchs-Stecklinge noch schlimmer als Sonne ist?

Sonne UND Wind. Selbst in diesen Tagen, in denen es hier nur etwa 24 Grad warm wird, trocknet der Wind, der Wind, das himmlische Kind alles aus. Für mich ist es eher ein Höllensturm, denn ziemlich viele von den mühsam gepflanzten Stecklingen haben es deshalb wahrscheinlich nicht geschafft.

Schnüff.

Grüne Hölle

Sie wuchert. Uns. Zu.

Die Kapuzinerkresse wächst derzeit nicht nur über das gesamte Kräuterbeet, sondern kriecht wahrscheinlich bald über den gesamten Garten bis in unser Haus. Und nachts kraulen wir – der Gatte und ich – uns dann nicht gegenseitig am Hals, sondern die Kapuze (wie ich sie heimlich nenne) vergreift sich an diesen Körperteilen. Grusel!!!

Schaut selbst:

Kapuze ist jetzt so hoch wie ich, etwa 165 Zentimeter. Regelmäßig muss ich ins Beet, um mit ihr den Kampf aufzunehmen. Dann schnappe ich mir die wegkriechenden Kapuzenarme und versuche, sie an den kegelförmig zusammengebundenen Schilfgrasstäben zu fixieren. Es gelingt mal mehr, mal weniger. Nicht selten muss ich am nächsten Tag entdecken, dass sie wieder Land gewonnen hat.

Es gilt, der Kapuze sinnvoll den Garaus zu machen. In einem früheren Post hatte ich bereits das Rezept für Kapuzinerkresse-Butter aufgeschrieben. Bei Chefkoch.de findet Ihr noch eine Menge weiterer Rezepte mit dem grusligen Kraut.

„Grüne Hölle“ ist übrigens der Titel eines französischen Films, in dem eine Pflanze das Leben einer Frau zer… Was krault mich da plötzlich am Haaaaaaaa

Diskriminierung im Garten

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Stimmt nicht! Ich bekenne mich zur total fiesen und ungerechten Rosen-Diskriminierung. Das hat verschiedene Gründe:
1. Meine Lieblingsrose ist die einzige Rose in unserem Garten, deren Namen ich kenne. Und
2. sie ist die schöööönste Rose überhaupt von allen Rosen in unserem Garten. Und
3. sie duftet am besten von allen Rosen in unserem Garten.

We proudly present: Nostalgie.

Sieht sie nicht wunderschön aus?!
Gekauft haben wir sie vor zwei Jahren, sie wuchs also schon im „alten Garten“, damals blühte sie jedoch nur zögerlich und hatte schon mal an Pilzkrankheiten zu knabbern. Im neuen Garten – nach dem schon mehrfach erwähnten Erdaustausch – hat sie einen zentralen Platz am Hauptweg bekommen, so dass jeder Gartenbesucher an ihr vorbei und sie bewundern muss. In diesem Jahr hat sie schon im Juni geblüht und nun hat sie vier (!) Knospen und Blüten.
Andere Rosen wachsen bei uns sogar in der letzten Reihe, sie halten aber alle tapfer durch. Zwei Stück stammen noch vom Vorbesitzer des Grundstücks, eine davon ist leider im letzten Winter erfroren und treibt jetzt unter der Veredlungsstelle aus. Sie blüht trotzdem fleißig, obwohl der Gatte ständig rummosert, dass es jetzt keine Edelrose mehr wäre. Ich diskriminiere folglich nicht als einizige im Fuchs’schen Garten.

Der Gatte ist ein Schnäppchenjäger, ein Spar-Fuchs. Deshalb hat er im letzten Jahr im Dezember (!!!) billige Rosen gekauft und eingepflanzt. Was soll ich sagen – es ist nur eine eingegangen. Hm. Der Garten ist nun also voller namenloser Rosen, die von mir/uns diskrimiert werden. Zum Beispiel finde ich die lachsroten Blüten von zwei Rosen so was von old fashioned. Deshalb gibt’s von denen auch kein Foto. Aber wegschmeißen kann man die ja auch nicht einfach!

Zwischendrin mal eine Anonyme, die ganz hübsch aussieht:

Und guckt mal hier, die hat einen Fehler:
Den Fachbegriff für solche eine „Farbstörung“ kenn ich leider nicht. Mir ist die Rose dadurch aber eigentlich ganz lieb, denn sie hat doch etwas Besonderes. Genau, wie die hier, die beim Auf- und Verblühen immer etwas anders aussieht:

Zum Abschluss noch eine schöne dunkelrote, ebenfalls ohne Namen:

Eine weiß blühende hat’s wie die lachsroten nicht mit Foto in diesen Post geschafft. Die weiße hat immer braune Flecken, deren Ursache ich noch nicht finden konnte. Ansonsten ist sie nämlich eigentlich recht hübsch.

Im Blog Rosanas Rosengarten erfahrt Ihr viel Wissenswertes über Rosen, und Carolyn setzt in ihrem Blog die Königin der Blumen stets wunderbar in Szene. Viel Spaß beim Schauen.

Nur die Harten kommen in den Garten

Erdaustausch für ganz Harte: 100 Tonnen haben mein Gatte und mein Onkel mit einem kleinen Bagger und einer Schippe aus dem Garten in Container geladen. 100 Tonnen hornalter Erde mit Bauschutt und Betonresten, Scherben und und und.

(Im Hintergrund seht Ihr die mittelalterliche Stadtmauer aus roten Ziegeln.)

Das war Anfang April in diesem Jahr, als die Sanierung unseres Hauses grad abgeschlossen war. Und bei uns ist es wie bei den meisten anderen, die ein Haus gebaut oder saniert haben: Die Hütte ist fertig, das Geld ist alle, was also mit dem Garten anstellen?
Die billige Variante, hier neue Erde einzubringen, war, ungesiebte Erde zu nehmen, das heißt mit Kieseln, an denen ich noch Jahre meine Freude haben werde.

(Der große Erdhaufen sieht hier gar nicht so groß aus. Danke an meinen Onkel Acki, der hier gezaubert hat. Vor dem Haus steht unser geliebter Süßkirschbaum, der uns stets früh im Jahr leckeres Obst schenkt.)
Der Gartenplan stand zu dem Zeitpunkt bereits, aber dazu gibt es in den nächsten Tagen einen Extrapost. Eines lernt man ganz schnell, wenn man einen Garten schaffen oder umgestalten möchte: Man braucht Kraft, Durchhaltevermögen und ein Ziel. Sonst wird’s nüscht. 

(Unser Tibetterrier Chamandi im Bagger. Sie ist immer mittendrin, um zu helfen.)
🙂

Es ist ein Dschungel da draußen

Neulich im Garten: Im Rasen hüft und kriecht es. Eine Handvoll winziger Unken, Frösche oder Erdkröten – wer weiß es? – läuft, springt und klettert durch das Gras.
Der Gatte konnte eines der etwa zwei Zentimeter großen Tierchen Aug in Aug auf ein digitales Foto bannen:

Guckt mal, da isser. Der Gatte hat ihn Klaus getauft. Wo Klaus und seine Kumpels hinwollten, hat sich uns nicht erschlossen. Scheinbar ziellos durchquerten sie den Rasen hin und her, ohne irgendwo ankommen zu wollen.

„Es ist ein Dschungel da draußen“ mögen sie sich gedacht haben. Das Zitat stammt übrigens vom hörenswerten Podcast der Guerrilla Marketing Group aus Berlin.

Ich bin froh über jedes Tier, denn irgendwie scheinen wir ja dann mit dem Fuchs’schen Garten etwas richtig zu machen, wenn sich die Kleinen hier wohlfühlen.