Run, Rose, run!

Früher sagte man zu einem Erfolgsprodukt „Das ist ein Renner!“

Unser Renner, ja so vereinnahmend bin ich mal, ist die Rose „Herzogin Christiana“. Eine Neuzüchtung aus der Parfuma-Serie von Kordes, über deren Taufe in meiner Heimatstadt ich im vergangenen Jahr hier gebloggt habe.

Die Lokalredakteurin hat nun recherchiert und herausgefunden, dass seit August letzten Jahres 10.000 Stück der „Herzogin Christiana“ verkauft wurden. 10.000 Stück! Ist das nicht ein Wahnsinn? Na klar, die Rose ist suuuuuperschön, ihr Duft betörend und ihre Gesundheit überzeugt jeden Gärtner. Aber 10.000 Stück – damit habe ich nicht gerechnet. Das hat mich sozusagen regelrecht geflasht.

Weniger erfreulich ist dagegen, dass sich vor Ort tatsächlich kein Händler findet, der die Rose verkauft. Also blühen in meiner Heimatstadt erst einmal nur die 40 Rosen im Rosengarten und vielleicht noch ein paar in Privatgärten, von denen ich allerdings nichts weiß. Der Bürger meiner Heimatstadt muss demnach weit fahren, um für seinen Garten eine „Herzogin Christiana“ zu erwerben oder er muss online bestellen. Seltsam, oder?

Mal sehen, wie es sich entwickelt mit der Christiana. Hoffentlich findet sie ihren Weg noch in viele europäische Gärten.

Run, Rose, run!

Winterliche Grüße

Endlich schauen die Schneeglöckchen richtig heraus. 
Aufgeblüht sind sie zwar noch nicht, aber es ist wie in jedem Jahr eine Freude, sie so zu sehen.
Ein paar Kirschkerne liegen auch noch herum 🙂
Und hier guckt schon der Schnittlauch. 
Kräftig bohrt er sich durch den zufällig entstandenen Winterschutz aus Ahornnasen.
Daneben wächst natürlich… Unkraut.

Heute sind hier übrigens 13 Grad Celsius. Und das am 7. Februar.

The Schreber Spirit

Letzten Montag in Dresden. Erstmals Besuch der Geschäftsstelle des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner e. V. Eine hübsche Villa mit hölzernem Wintergarten scheint nur passend als Sitz für den LSK. Räume gibt es allerdings begrenzt, ebenso Personal. Erwartet hatte ich das anders, schließlich klingt LANDESVERBAND nach ’ner Menge Angestellter in vielen teuer eingerichteten Büros.
Nur eine Handvoll sehr beschäftigt und engagiert wirkender Menschen aber wuselt durch den Flur, in dem eine Vitrine mit meisterlich gefertigten Modellen früher Gartenlauben bestückt ist. Heimelig wirken sie und schützenswert.

150 Jahre Schreberbewegung feiern die Kleingärtner in diesem Jahr. 2014 mag das für manche seltsam und altmodisch klingen: Kleingärtner, Schrebergarten, Laubenpieper. Und doch erfahren die kleinen Parzellen mancherorts großen Zuspruch. In den westdeutschen Großstädten etwa gibt es lange Wartelisten, auf denen der Gärtnerwillige gut und gerne ein paar Jahre auf sein kleines Stückchen Grün lauert. Im Osten kennen wir es dagegen anders, denn der Wegzug von 1,1 Millionen Menschen nach der Wende warf für viele Kleingartenanlagen ein vorher nicht gekanntes Problem auf, den Leerstand. Gar bedrohlich ist es für einige Vereine geworden. andere haben es mittlerweile ganz gut im Griff.
Lösungsansätze für das Leerstandsproblem gibt es, wie ich finde, noch zu wenige. Senioren- und barrierefreie Gärten entstehen, leere Gärten werden pachtfrei gestellt, leere Gärten werden durch andere Pächter mit gepflegt, Öffentlichkeitsarbeit wird verstärkt etc.

In Mecklenburg-Vorpommern sind Seniorengärten seit dem 11. März 2013 von der Drittelteilung befreit und damit von dem Zwang, mindestens ein Drittel der Gartenfläche für den Anbau und jeweils maximal ein Drittel für bauliche Anlagen (Laube, aber auch Gewächshäuser, Wege, Zäune!) und für Zierpflanzen zu nutzen. Der mir mittlerweile sehr gut bekannte Vereinsvorsitzende einer Anlage meiner Heimatstadt war für die Idee eines Seniorengartens sehr schnell zu begeistern. Gleichwohl er für seine Anlage keinen Leerstand zu verzeichnen hat, sieht er einen solchen Garten als sinnvolle Einrichtung. „Wenn meine Mitglieder aus Altersgründen irgendwann den Garten nicht mehr halten können, müssen sie dann trotzdem nicht auf frische Luft verzichten und machen eben einfach das, wozu sie noch in der Lage sind.“ Noch in diesem Jahr, das für ihn wegen der spannenden Nachnominierung für den Bundeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ sowieso schon sehr aufregend ist, möchte er einen Garten extra freilenken, der zukünftig durch drei bis fünf Senioren und Seniorinnen bewirtschaftet werden kann.

Denken wir an die ersten Schreberplätze zurück, von Ernst Innozenz Hauschilds errichtete Freiflächen, auf denen Kinder turnen und spielen sollten, so stellen wir eine Art positive Umkehr der vor 150 Jahren begonnenen Entwicklung fest. Von der strengen Erziehung der Jüngsten ist man (zum Glück) abgekommen; heute finden die Menschen im Kleingarten ihr Fleckchen zur Erholung und Anbauflächen für die Selbstversorgung. Mal sehen, wohin es in den nächsten Jahren geht und welches Bundesland als nächstes die Drittelteilung für Seniorengärten aufhebt.

Schönen Sonntag noch,
Eure Füchsin!

PS: „Gut Wehr!“ wünscht man Feuerwehrleuten, „Toi, toi, toi!“ den Schauspielern, aber was denn um alles in der Welt den Schrebergärtnern???

Fassade mit Fragen

In der letzten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „brand eins“stieß ich auf einen Artikel über die seit 2010 begrünte Fassade der Wiener Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft, laut „brand eins“ ist die „blühende Behörde“ eine „neue Attraktion“ in Österreichs Hauptstadt.
Das auch MA48 genannte Gebäude steht inmitten eines dicht besiedelten Stadtteils an einer Straßenkreuzung und verfügt über etwa 850 Quadratmeter Fassade. Als diese vor wenigen Jahren saniert werden musste, entschieden sich die Verantwortlichen nach langen Diskussionen, die Fassade zu begrünen.

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Pilotprojekt Grüne Fassade auf der Zentrale der MA 48
Copyright: Christian Houdek / PID

Vor der Fassade wurden in etwa fünf Zentimetern Abstand Hunderte mit Pflanzen bestückte Aluminium-Behältnisse angebracht. Die Wasserversorgung erfolgte anfangs manuell, was schließlich auch zum Absterben der Pflanzen im Winter 2011 führte. Die Haustechnik-Kollegen dort hatten nicht bedacht, dass die Pflanzen trotz des Winters mit Wasser versorgt werden müssen. Eine teure Nachpflanzung war nötig.

Das Projekt wird von den Befürwortern der Behörde und der betreuenden Forschungsabteilung der Universität Wien natürlich sehr gelobt, vor allem wegen der guten Klimatisierung der Fassade. Im Hochsommer, als man am Nebengebäude 40 Grad Celsius maß, punktete die Fassade der MA48 mit 28 Grad Celsius. Im Winter konnte sie etwas von der Kälte abdämpfen. Grund für diese natürliche Dämmung ist das Luftpolster zwischen der Wand und den Pflanzgefäßen. Einen genauen Energiesparwert können die Wiener leider nicht angeben, da das Gebäude nur an die zentrale Gasuhr des Abfallwirtschaftsgeländes angeschlossen ist.

Im Internet habe ich mich noch ein bißchen über das Projekt belesen, trotzdem bleiben Fragen unbeantwortet:

  • Ist der Wasserverbrauch von 1,8 Kubikmeter pro Tag für die Wasserversorgung der Pflanzen gerechtfertigt?
  • Warum hat man nicht auf das seit den 1980er Jahren bewährte Konzept zur Fassadenbegrünung des Franzosen Patrick Blanc zurückgegriffen? Die Bepflanzung erscheint bei ihm homogener, der Dämmeffekt dürfte der gleiche sein.
  • Wenn die Wiener so lange über die Art der Fassadenrenovierung gegrübelt und diskutiert haben, warum haben sie nicht einen gebäudeeigenen Gaszähler installieren lassen, um die langfristigen Wirkungen auf die Energieverbräuche erfassen zu können?
  • Die Herstellung von Aluminium ist wegen der damit verbundenen Schädigung der Umwelt sehr umstritten, so entstehen beim Abbau des Erzes Bauxit Rotschlämme, für die Schmelze wird enorme Energie benötigt. Warum hat man in Wien ausgerechnet auf dieses Material zugegriffen?
  • Warum hat man Kräuter in die Aluminiumgefäße gepflanzt? Die Giftigkeit des Materials wird international diskutiert. Es besteht also sogar eine latente Gefährdung der Mitarbeiter, wenn diese sich beispielsweise für ihren Mittagspausensalat ein paar Kräuter zupfen würden.

Sicher hat diese Art der Fassadengestaltung ihre Vorteile, doch in Wien scheint die Variante unausgegoren.

tieftraurig

Es gibt selten ein trauriges Thema hier im Blog und doch gäbe es den Blog ohne dieses bestimmte, für mich traurige Thema gar nicht. Und das hat nichts mit persönlichen Verlusten zu tun, über die ich hier (noch) nicht schreiben will, sondern mit einem beruflichen Verlust. Dem Verlust einer Landesgartenschau.

Als Pressetante eines Oberbürgermeisters einer Kleinstadt eines ostdeutschen Freistaates dürfte man eigentlich alle Illusionen verloren haben. Hatte ich am Anfang meiner Tätigkeit als Pressetante aber nicht. Nein, ich glaubte daran, dass alle Bürger am gleichen Strang ziehen, um etwas Gutes für ihre Heimatstadt zu erreichen und ich glaubte daran, dass der Freistaat etwas Gutes für sich erreichen möchte. Ein schmuckes Aushängeschild, eine Landesgartenschau, wie es sie im Freistaat noch nie gegeben hatte.

Der erste Anruf beim Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaften (diese wird für jede Stadt immer wieder neu gegründet, der Geschäftsführer – ein echt netter Typ übrigens – wechselt immer mit) ließ Gutes erahnen. Er war interessiert, wollte in meine Heimatstadt kommen und sich mal die Gegebenheiten anschauen. Natürlich nur zur Vorinformation, denn die öffentliche Ausschreibung war noch nicht öffentlich und es darf ja niemand bevorteilt werden. Er kam auch und sah wohl sogar schon die Möglichkeiten, die sich in meiner Heimatstadt aufgetan hatten. Was dann in den Folgemonaten passierte, ist vielleicht bei mir immer noch nicht angekommen. Es war ein Strudel an Geschehnissen, an Menschentreffen, Ideen, Parteiinteressen, Blumenträumen.

Nach der öffentlichen Ausschreibung folgte die Erarbeitung der Bewerbung, wir gründeten einen Verein, Unterstützer wurden angeschrieben, die Lokalpresse veröffentlichte regelmäßig feurige Pro-LaGa-Zeilen diverser prominenter und halbprominenter Bürger und Ex-Bürger. Es gab Malwettbewerbe, Luftballonaktionen, einen Lauf durch das Wettbewerbsgelände, eine Facebook- und eine Xing-Gruppe, natürlich eine Internetseite. Die Einwohner meiner Heimatstadt übertrafen sich selber in der freudigen Erwartung dieses Großereignisses, was unserer Stadt nicht nur Hunderttausende Touristen bescheren sollte, sondern auch die Wirtschaft beflügeln und uns alle glücklich machen sollte. Denn eigentlich sind wir (ja, auch ich) eher für Skeptizismus und Jammerei bekannt. In der Bewerbungsphase war das anders. Wir waren beflügelt, wie berauscht und vor allem wollten wir etwas gemeinsam erreichen.

Ein paar Gegner gab es, sogar bei uns im (Rat)Haus und sogar auf meinem Flur. Die notwendigen Abstimmungen im Stadtrat waren aber alle einstimmig! Und das ist wichtig. Dachten wir. Einige der Kämpfe hinter den Kulissen haben trotzdem Nerven gekostet und klingen teilweise bis heute nach. Bei manchen Kollegen erwarten mich immer schele Blicke, wenn ich heute noch sage „Ich war für diese LaGa!“
Unser kleines Team, das im Kern damals als Motor der Bewerbung fungierte, hat zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Natürlich gab es die vielen, vielen Helfer, ob es nun im Bauamt war oder oder oder… Aber wir drei sind durch diese aufregenden Monate für immer verbunden und denken manchmal wehmütig zurück „Weißt Du noch, damals…?“

Stets haben wir in der Bewerbungsphase nach den anderen Mitbewerbern geschaut, haben vermeintliche Schwächen eruiert, vermeintliche Stärken beneidet. ‚Oh, der hat sogar eine Broschüre aufgelegt‘, ‚Die haben einen A-prominenten Unterstützer‘ usw.
Eine Stärke war unsere Schwäche – uns fehlte eine Brache! Unglaublich aber wahr: Im Jahr 20 nach der Wende suchte der Freistaat für die LaGa 2015 immer noch einen Standort mit Industriebrache. Und das sollte uns das Genick brechen, dass unsere Stadt so gut in Schuss ist und keine Brache hat? Den Gedanken haben wir öfter verdrängt.

Die Episode, als wir im Ministerium der Landeshauptstadt die Bewerbung abgeben wollten und gefragt wurden, wo die Bewerbung in digitaler Form, also die CD-Rom sei, gäbe Stoff für einen eigenen Post. Mit feuerrotem Gesicht sagte ich „Äh, die kriegen Sie dann natürlich nachher auch noch“. Es war der Tag des Abgabeschlusses und unsere Kleinstadt liegt am anderen Zipfel des Freistaates. In den ganzen Monaten hatten wir alle hundertmal die Ausschreibung gelesen, bis auf diesen einen Satz.
Naja, es hat geklappt. Zumindest mit der Abgabe.

Nach monatelangem Warten war der Tag der Verkündung gekommen. Ich erfuhr es durch eine freudig aufgeregte Mitarbeiterin. Eine, die der LaGa nicht wohlgesonnen war. „Hast Du gehört? Oelsnitz ist es geworden.“ Oelsnitz. Scheiße. Oelsnitz? Was hatten denn die… Was?… Wofür?… Weshalb?… Die haben ja – nicht – mal – ne – Website. Schnappatmung. SchluchzenHeulenFlennen. Sektflascheaustrinken. Fuck. Oelsnitz hatte 20 Jahre nach der Wende noch eine Industriebrache, einen alten Verladebahnhof. Dass die Stadt im Erzgebirge liegt, aus dem etliche der Kabinettsmitglieder stammen – Haken dran. Wir hatten den zweiten Platz errungen und per Pressemeldung stolz gemeldet „Wir werfen die Harke nicht hin!“ Insgeheim fühlten wir uns, als wären wir gegen eine Harke gelaufen!!!
Vor ein paar Tagen habe ich im Fernsehen gesehen, wie ein paar Menschen in Oelsnitz über die Gleise im künftigen LaGa-Gelände stiefelten. Ich habe gleich weggeschalten. Tieftraurig.

Reanimation

Unverhofft kommt oft sagt man. Manchmal kommt unverhofft aber so dermaßen unverhofft, dass man hofft, dass es verdammt nochmal ganz, ganz selten bleibt.

Im Juli des letzten Jahres schrieb ich über die Begehung der Landesjury im Kleingartenwettbewerb. Die besten vier Anlagen des Freistaates können am Bundeswettbewerb teilnehmen und eine Anlage aus meiner Heimatstadt hoffte damals auf einen dieser vier Plätze. Der Vorsitzende war doch erst Witwer geworden, hatte sich dann in die Arbeit im Garten gestürzt und noch mehr für den Verein geackert, der Zünsler lauerte dabei schon als grün-schwarze Bedrohung im Buchsbaum…
Die Anlage ist top in Schuss, es gibt viele Initiativen, wie Tafelgärten und einen Naturlehrpfad. Die Gärtner hätten es also wirklich verdient gehabt, einen der vorderen Plätze zu gewinnen. Im Herbst dann das zugegebenermaßen bittere Erwachen. Die vier Plätze hatten andere Anlagen belegt.

Ende letzter Woche dann ein Schreiben vom Landesverband. Eine Seite auf den Punkt gebracht: Die Anlage soll doch am Bundeswettbewerb teilnehmen. Einsendeschluss für die Unterlagen in einer Woche. IN EINER WOCHE! Ich meine – der Vorsitzende ist über 70 Jahre alt! Nein, aber jammern gilt nicht. Flugs werden alle potentiellen Helfer angeschrieben und übermorgen soll das Ding nun in der Kiste sein. Das ist doch wirklich unverhofft, oder? Und irgendwie doch auch eine Reanimation. Des Wettbewerbsgedankens. Der Motivation. Auch des Zusammen-schaffen-wir-das-Gefühls. Das fühlt sich so was von gut an!