Wir schlagen zurück!
Er ist wieder da. The Zünsler is back!
Erst waren es kleine grüne Krümel an den Buchsbäumen, die wir vor ein paar Monaten geschenkt bekamen und bereits vermeintlich mit Bi58 bekämpft hatten. Dann haben wir gestern auch Raupen entdeckt, diese eigentlich gar nicht so schlecht aussehenden grün-schwarz gestreiften kleinen Dinger, die mit unbändigem Appetit die Buchsis kahlfressen.
Unsere zweite Attacke führen wir nun mit „Calypso“ von Bayer durch. Leider hat es bald nach dem Aufbringen geregnet und nun müssen wir erst einmal prüfen, ob das Gift geholfen hat. Dabei hasse ich Gift im Garten!!!
Unsere Freunde U & F hat es nun auch erwischt. Sie haben zwei riesig große Buchskugeln, die außen noch völlig gesund aussehen und dabei innen schon ziemlich kahl gefressen sind. U war völlig paralysiert von der Verfressenheit der Tiere, die er zu Dutzenden von den großen Pflanzen abgelesen hat.
Was wir mit unseren drei befallenen Gesellen machen, ist unklar. Ich bin für’s Verbrennen, der Gemahl meint „Sie gehören zur Familie!“. Auf jeden Fall müssen sie kräftig beschnitten werden und zwar bis in das alte Holz, was ich dann im Frühjahr tun werde. Durch fleißiges Wässern und Düngen sollen sie danach wohl erneut gut austreiben.
Drückt bitte die Daumen.
Glück in Blütenform
Diesen Gärtner möchte man sich gerne daheim ins Beet stellen, denkt man zugegebenermaßen, sieht man Thomas Proll mit seinem Strohhut. Nie wieder würde man Probleme haben mit Mehltau oder anderen Rosenkrankheiten! Und dekorativ wäre dieser (studierte!) Gärtner allemal, oder?!
Landesgartenfachberater und Landesbewertungskommission
Ein großer Tag für einen örtlichen Kleingartenverein. Die Landesbewertungskommission kommt.
Ihre Mitglieder schauen ernst und meinen es auch so. Es geht um viel. Es geht um die Krone. Die Landeskrone für die beste Kleingartenanlage. Und die Chance, zum Bundeswettbewerb zu kommen. Dafür muss im Landeswettbewerb einer der ersten vier Plätze belegt werden.
Dafür hat der örtliche Kleingartenverein viel getan, zum Beispiel Nadelbäume abgeholzt. Ihr guckt jetzt komisch. Das Bundeskleingartengesetz möchte das so. „Die Vögel sind weniger geworden“ sagt der Vorsitzende des örtlichen Kleingartenvereins in die Runde der Landesbewertungskommission. Und „Das liegt auch an den fehlenden Bäumen.“ Die Kommissionsmitglieder schauen, einer schüttelt den Kopf. Es gibt Lob für das Abholzen, die Präsentation mit Laptop und Beamer (der Vorsitzende ist 76), die unkrautfreien Wege, den neuen Naturlehrpfad.
Eine strenge Bemerkung aber fällt zum Obstbaumkrebs. Berechtigt, denn der ist beim Steinobst ansteckend. Kirschen, Pflaumen und Pfirsich müssen also weg, damit sich der Pilz nicht weiter verbreitet. Das Holz sollte verbrannt werden. Hier ist der Landesgartenfachberater nachdrücklich, denn er weiß wovon er spricht. Er ist so eine Art Allwissender, der sowohl die Gartenfreunde beim Gärtnern berät und auch die Vereinsvorstände beim Papierkram. Jedes Jahr bildet er Fachberater aus. Die braucht der Verein, auch um die Gemeinnützigkeit zu erlangen. Kein Fachberater, keine Gemeinnützigkeit, keine Steuervergünstigung. Ätsch.
Dann doch lieber früher an später denken und ein junges Vereinsmitglied zur Fachberaterin ausbilden lassen. Und wieder bei der Landesbewertungskommission punkten. Die freut sich über Fachberater und über junge Menschen im Verein. In einer demographisch unausgewogenen Region zählt jeder junge Mensch doppelt. Und wenn dann der Zensus kommt und richtig zählt, wundert sich die Region, dass Menschen fehlen. Nun gut. Ohne Jugend kein Nachwuchs im Verein. Stellt Euch vor, dann wäre irgendwann alles umsonst.
Seit 1969 gibt es diesen örtlichen Kleingartenverein, der heute Vorsitzende war Gründungsmitglied. Seine Frau hat er lange gepflegt, im letzten Winter starb sie. Man besuche kranke Gartenfreunde, feiere zusammen, arbeitet gemeinsam für den Flecken Erde. Was die Präsentation als bloße Buchstabenreihen abbildet, sind viele Menschengeschichten…
„Es wäre schändlich gewesen, wenn Sie sich nicht beworben hätten.“ sagt der Leiter der Landesbewertungskommission. Und er sagt auch, dass man sich wieder sehen wird.
Flaches Land
Jetzt lasst mich mal Klartext sprechen. Halle an der Saale hat in Mitteldeutschland nicht sooooo einen Wahnsinnsruf. Manche nennen es Hölle an der Saale, andere wortspielen „Halloren, Hallenser, Halunken“. Erklären kann ich mir das zwar nicht genau, muss aber leider sagen, dass die Gegend von Halle erobert werden möchte, sprich: Sie gibt sich dem Betrachter nicht freiwillig hin. Er kutscht über Autobahnen und Bundesstraßen durch plattes Land, vorbei an einzeln stehenden Gehöften; architektonische Meisterleistungen reihen sich nicht gerade nahtlos aneinander und die Menschen sprechen seltsam, wobei „mer nichjenau saachen gann wie eijentlich“.
Und trotzdem lohnt sich das Suchen nach den Perlen in und um Halle an der Saale. Ein dem Gatten und mir mittlerweile vertrautes Ziel nahe Halle ist das Renaissanceschloss Dieskau, an das sich ein wunderschöner klassizistischer Landschaftspark anschließt, der leider wohl vielen unbekannt ist. Vielleicht auch deshalb liegt über dem Ort meist eine friedliche Stille, nur unterbrochen von freilaufenden gackernden Hühnern mit Hahn.
Die Zufahrt zum Schloss säumt links ein formales Buchsbaumparterre, ausgefüllt mit Kräutern und Blühpflanzen, und rechts an der Mauer wächst es recht bäuerlich vor sich hin, z. B. mit Malven.
Geht man um das Schloss herum, eröffnet sich alsbald die wirklich beeindruckende Blickachse, die von der ruinösen Orangerie über ein rundes barockes Buchsbaumparterre und über die Rasenfläche bis zu alten Baumriesen und dem rekonstruierten Fundament des Teehauses reicht.
Johann Gottlieb Schoch, gerade 20 Jahre alt, erhielt den Auftrag zur Anlage des Parks. Das war 1778. Ob diese riesige Platane noch aus der Anfangszeit stammt? Sie ist wunderschön.
Die Reide-Aue ist Teil des Landschaftsparks und so überquert der Besucher immer wieder kleine Brücken. In der Ferne leert Flora ihr Füllhorn aus.
Der Gatte hat mehrfach versucht, den Laubfrosch beim Springen zu fotografieren (und sah dabei selbst wie ein hüpfender Frosch aus) und das ist das beste der vielen Fotos geworden.
Beim Verlassen des Schlossgeländes machte mich der Blick in jenen Garten neugierig:
Gärtnerfreuden…
… mal anders. Beim Tag der offenen Gartentür in Delitzsch und Umgebung wurden über 1100 Euro für die vom Hochwasser Betroffenen in Löbnitz gesammelt. „Meine“ Gärtner, also die Teilnehmer des Tags, haben ganz viel Werbung für die Aktion gemacht, Kuchen gebacken etc. Es war wirklich toll! Dank dem Mitteldeutschen Rundfunk, der im Radio und beim Sachsenspiegel berichtet hatte, meldete sich im Nachgang noch eine Familie, die mittlerweile 2000 Euro nach Löbnitz gespendet hat. Wunderbar, oder?
Wenn Schauen hilft…
…ist Tag der offenen Gartentür in Delitzsch.
Stellt Euch vor, Ihr wohnt in einer Stadt, um die herum fast alle Städte und Dörfer in braun-schlammigen Hochwasserfluten versinken, aber Eure Heimatstadt bleibt trocken.
Stellt Euch vor, da werden in 15 Kilometern Entfernung Gärten, Erinnerungen, Tiere weggespült. Was unten war, ist oben. Und was grün war, ist braun.
Stellt Euch vor, Ihr organisiert den Tag der offenen Gartentür, der in dreizehn Tagen stattfinden soll, eben in dieser „Inselstadt“.
So ging es mir am Montag, als in Eilenburg und Bad Düben das Muldewasser bis zur Oberkante Unterlippe schwappte. Da saß ich in einer Pressekonferenz Umweltminister, Landrat und Polizeihäuptling gegenüber und sie sagten Sätze, wie „Das wird schlimmer als 2002.“, „Wir müssen evakuieren.“, „Zwangsevakuierungen hat es nicht gegeben. Noch nicht.“
Der Polizeihäuptling kam gerade aus Grimma, wo er schon 48 Stunden im Hochwasser-Déjà-vu steckte. Heulte, weil er dachte, dass er nie wieder ansehen muss, wie diese so schöne Stadt untergeht. Und ihn die Mulde doch dazu zwang.
Stellt Euch vor, Eure Kollegen wohnen in Häusern, die überflutet werden. Die nach oben geräumten Möbel sind vielleicht trocken geblieben, aber dieser Schlamm, der Geruch nach feuchter Erde… Zwangsevakuierung. Nun doch. 30 Minuten, um ihre Sachen zu packen (was „packt“ man da?) Nicht wissen, ob sie ihre Heimat je so wiedersehen werden.
Stellt Euch vor, in einem anderen Bundesland, aber doch nur zehn Kilometer entfernt, droht ein riesiger See mit einem einzigen Schwapp eine Stadt zu fluten. In der Stadt haben Eure Eltern früher ihre Berufsausbildung gemacht, dort habt Ihr ebenfalls Kollegen und Freunde.
Und da sollte ich über den Tag der offenen Gartentür nachdenken? Denken ging nicht! „Was, Du denkst im Ernst drüber nach, die Veranstaltung abzusagen?“ JA. JA. JA. Immer wieder! Was sollen sich hier die Menschen gegenseitig ihre Horte der Glückseligkeit angucken, wenn drumherum so eine Scheiße passiert?
Die einzige überhaupt in Betracht kommende Variante war und ist, in den Gärten Spenden zu sammeln. Und das machen wir jetzt. Ich teile Spendenbüchsen aus und wir reichen das Geld 1 : 1 weiter an die unweit liegende Gemeinde Löbnitz. Ein schlechtes Gewissen bleibt.
Ich patze Menschen an, Frager.
„Eine Spendenbescheinigung bekommen die dann wohl nicht?“ – „Wer solln die ausstellen in den Gärten? Es jeht doch um die Kohle für Löbnitz. Keine Bescheinigung, nur Vertrauen! Tschüss!“
„Ob du das so einfach machen kannst? Ich weiß ja nicht! Das musst Du doch anmelden?“ – „Mensch, da fraach ich doch nich noch rum, ey. Boxen aufgestellt, Geld rein, Geld raus und nach Löbnitz überwiesen.“
„Wie soll denn das laufen? Hast du Dir das mal überlegt?“ – „Nein. Das kriegen wir schon hin, wir Gärtner!“
























